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Wir haben mit den Rechtsauslegern Pro-Köln, Pro-NRW  ProGelsenkirchen etc. nichts gemeinsam!
Es ist egal , wer du bist – wo du herkommst – an welche Religion du glaubst – welche Hautfarbe du hast.
Sei einfach nur ein anständiger Mensch – das ist das einzige, was zählt.
(Willy Meurer)

Ehrlichkeit ist nie Unrecht; aber ein Fehler ist es, an die Ehrlichkeit der anderen zu glauben.
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Foto-Quelle http://www.herten-erleben.de/cont_12_05/pdf/08_09_Schweisfurth.pdf
Der Kräuterhof  in Herten

Der Kräuterhof in Herten ist am 1.12.2008 in die Insolvenz gegangen.

Ein Investor wird gesucht. Ein Baugrundstück wird angeboten für Doppelhäuser.

Laut Bebauungsplan ist eine Erhaltung des Kräuterhofes wünschenswert, aber nicht Bedingung. Wieder einmal wird ein historisches Gebäude geopfert, um ein Grundstück für einen Geldgeber lukrativer anbieten zu können.

Ein Denkmalschutz erscheint zu riskant oder nicht möglich, sagt Stadtbaurat Lindner.

Die SPD und die CDU im Ausschuss  für Stadtentwicklung und Umweltschutz stimmen im November 2009 einstimmig zu.

Kurzfristig mag Stadtbaurat Lindner ja recht haben. Aber wenn eine Stadt wie Herten alle schönen Baudenkmäler abreißt, und nur auf neue Betonbauten setzt, wo bleibt das  Ambiente der Stadt, welches langfristig neue Anwohner, die hier leben möchten und sich wohl fühlen, anzieht ?

Mit Mühe konnte in Westerholt nach massivem Widerstand aus der Bürgerschaft das „Alte Dorf“ erhalten bleiben.

Für die alte Hertener Innenstadt gab es diesen Widerstand leider noch nicht.

Die Denkweise erscheint kurzfristig, die Innenstadt mit ihren Betonklötzen sollte als abschreckendes Beispiel ausreichen. Hier sind Ladenleerstände, Spielhallen und Wettbüros an der Tagesordnung. In anderen Städten des Münsterlandes wie Haltern, Lüdinghausen oder Münster mit historischer Altstadt ist dieses Problem nicht vorhanden.

Münster hat z.B. nach dem Krieg die alte Innenstadt wieder aufgebaut, wofür die Stadtväter belächelt wurden. Heute ist es Weltkulturerbe mit schönen Geschäften und zufriedenen Menschen.

Dieser fortwährenden negativen Entwicklung in Herten sollte endlich Einhalt geboten werden. Die wenigen noch vorhandenen Baudenkmäler wie der Kräuterhof mit seiner Geschichte sollten unbedingt erhalten bleiben.

Es sollte über eine sinnvolle Nutzung wie zum Beispiel Altenwohnungen, ein Hotel oder eine Jugendherberge nachgedacht werden.

Dr. med. Katrin Stephan und Joachim Peters, 3. Jan. 2010
Sachkundige BürgerIn  AStU im H.F.B.
 


Lange Wege beginnen immer mit dem ersten Schritt

Vor fast 20 Jahren begann die Stadt Herten eine Verwaltungsreform, von der angeblich niemand wusste, wo sie hinführen sollte. Das ist natürlich eine Legende. Denn die Vorgaben dafür waren bekannt, nur öffentlich diskutiert wurden sie nicht. Seit Anfang der 80er Jahre diskutierte der Sachverständigenrat (SVR) die Verringerung des „Staatsanteils“ am Bruttosozialprodukt und beabsichtigte Privatisierungen von staatlichen Dienstleistungen. Aber selbst der SVR gab seine Ratschläge nicht auf bloßen Verdacht hin. Diese Politik wurde schon damals umgesetzt. Erinnert sei u.a. an die Wirtschaftspolitik der USA unter Präsident Ronald Reagan, die sog. „Reagonomics“ oder an die Politik der „Eisernen Lady“ aus Großbritannien, Margret Thatcher.

Ein Vertreter der gleichen Ideologie in der Bundesrepublik war übrigens Otto Graf Lambsdorff. Er sorgte 1982 mit einem Papier für den Bruch der sozialliberalen Regierung unter Helmut Schmidt. Die Entscheidungen, deren Konsequenzen wir heute zu tragen haben, wurden bereits in den 70er Jahren (natürlich in keinem Parlament) getroffen. Der Ökonom Karl Georg Zinn beschrieb in dem Buch „der Niedergang des Profits“ im Jahr 1978 (!) die Strategie des „feudal-kapitalistischen Wegs“, der letztlich auch umgesetzt wurde.  

Aber bleiben wir in Herten und bei der Verwaltungsreform, einem wichtigen Puzzleteil der neoliberalen Umgestaltung unserer Gesellschaft. Der Satz: „Der Weg ist das Ziel“ hat sich als blanke neoliberale Ideologie herausgestellt. Man wollte nur von vornherein verhindern, dass Kommunalpolitik und Verwaltungsmitarbeiter begreifen, wohin der Weg tatsächlich führt. Immer unter der Knute „knapper finanzieller“ Mittel konnte nur das heraus kommen, was wir heute in den Kommunen vorfinden und das ist skandalös genug! Ich sage das ohne Vorwurf und ohne Häme gegenüber anderen Verantwortlichen im Rat damals und auch heute. Denn in Herten läuft immer noch einiges anders als in anderen Städten.

Fakt ist aber auch die Entpolitisierung der Kommunen.  Das betriebswirtschaftliche Denken verdrängt die volkswirtschaftliche Sichtweise. Der Staat, in unserem Fall die Kommune, handelt inzwischen wie jedes gewöhnliche Unternehmen. Der öffentliche Auftrag, Vermittler zwischen Wirtschaftsinteressen und Gesellschaft zu sein, entfällt. Ohne „Probleme“ können bei dieser Sichtweise (Konzern Stadt Herten) andere, private Unternehmen „eingebunden“ werden  (neudeutsch Outsourcing von Aufgaben), da vergibt ein privates Unternehmen im Auftrag auch schon mal Fördergelder. Die unterste Ebene des Staates hat Einfallstore für Wirtschaftsinteressen weit geöffnet. Auf der Strecke bleiben die kommunale Selbstverwaltung und die kommunale Demokratie.

Fremdinteressen bestimmen längst den kommunalen Alltag. Dazu bedarf es nicht einmal mehr Lobbyisten. Investoren entwickeln selbst Bebauungspläne und legen sie nur noch zur Genehmigung vor. Es werden nur noch Dinge erledigt, die entsprechende Förderungen erhalten und das unter den Bedingungen, die der Fördergeber bestimmt. Zuschüsse zum Umbau des Busbahnhofes in Herten Mitte nur, wenn der Investor des Herten-Zentrums viel Geld in die Hand nimmt. Da das inzwischen nicht mehr geht, bemüht sich die Stadt, die Gelder trotzdem zu erhalten. Der neue Busbahnhof wäre dringend nötig!

Damit überhaupt noch etwas in der Stadt passiert, strickt man Projekte zusammen, die zwar Fördergelder ermöglichen (sh. HyBike, Otto Wels-Platz u.v.m.), aber für dringend benötigte Dinge (Renovierung von Kindergärten, Schulen etc.) nicht zu verwenden sind. In der Bevölkerung heißt es dann: „Für jeden Sch… haben die Geld, nur wo es nötig ist, da ist nichts zu machen. Die wollen doch gar nicht!“ Falsch, die möchten schon, nur es geht nicht! Respekt deshalb für den Rat der Stadt, der den neuen Gebühren für Kindertagesstätten nicht zustimmt hat. Und Respekt dem Bürgermeister, der den Beschluss beanstanden musste und trotzdem deutlich gemacht hatte, dass das nicht seiner Überzeugung entsprach.

Es werden leider nur noch Dinge erledigt, wo zusätzliche Mittel eingeworben werden können (Sponsoren). In Krisenzeiten können Finanzierungen wegbrechen, so wie wir das gerade erlebt haben. In den USA brach das „Vorbildsystem“ zusammen, weil ein „Sponsor“ – die Lehmann-Bank – in die Insolvenz ging. Damit bekamen Obdachlose keine Verpflegung mehr.

Die Haushalte Hertener Schulen sind inzwischen auch von Sponsoren – notdürftig kaschiert über Fördervereine und Reklametafeln  – abhängig. Ein untragbarer Zustand, denn über Steuergutschriften für die Sponsoren zahlen letztlich doch die Steuerzahler.

Beispiele der Verzahnung von privater Wirtschaft und Stadt gibt es genügend in Herten: Ein Planungsbüro „betreute“ den Stadtumbau-Süd. Der „Ruhrpilot“ wird von der Stadt mitfinanziert – ohne derzeitigen eigenen Nutzen. Selbst die Pressemitteilungen der Stadt werden über ein privates Unternehmen zugestellt.

Städtische Einrichtungen unterliegen inzwischen einem künstlich geschaffenen Wettbewerb. Die früher lächerlich anmutenden Produktdefinitionen spielen die Rolle, nun „vergleichbare“ Größen zu haben. Hier wurde künstlich ein „Markt“ geschaffen  –  mit dem Ziel Dienstleistungen, die eine Stadt bereit hält, auch gänzlich in private Hände geben zu können. Phantasie? Ganz sicher nicht, denn Versuche gibt es in England, aber auch schon in der Bundesrepublik.

Würzburg hatte im April 2008 große Teile der Stadtverwaltung an die Firma „arvato government services“ (Teil der arvato AG, Tochter des international vernetzten Medien- und Kommunikationskonzerns Bertelsmann AG) übertragen. Ein wichtiger Berater zur Verwaltungsneuorganisation in Herten war u.a. auch die „so völlig uneigennützige und dem Gemeinwohl verpflichtete“ Bertelsmann-Stiftung. Herten hatte sogar ganz besondere Beziehungen zu Bertelsmann. Der ehemalige Hertener Stadtdirektor (den ich in vielen Beziehungen auch sehr schätze), Prof. Dr. Bernd Adamaschek, arbeitete gerade in dieser Sparte für Bertelsmann.

Wo bleibt dabei kommunale Selbstverwaltung und kommunale Demokratie?

Das, was sich bei uns derzeit abspielt, hat meiner Meinung nach etwas mit gezieltem Verfassungsbruch zu tun. Die kommunale Selbstverwaltung und kommunale Demokratie (und das Haushaltsrecht) sind nämlich im Grundgesetz verbrieft. Außerdem sind sie für unser demokratisches System unverzichtbar, auch wenn es etwas kostet. Demokratie kostet Geld. Gerade vor Ort bedarf es einer Vermittlung zwischen privaten und gesellschaftlichen Interessen.

Es ist Inhalt neoliberaler Ideologie, dass private Unternehmen effizienter und kostengünstiger arbeiten würden als Verwaltungen früherer Prägung. Aber: Verwaltungen haben keine Gewinnerzielungsabsicht, können damit auch kostengünstiger als private Anbieter sein. Außerdem haben sie kein Interesse, Missstände zu erhalten, nur weil man damit Geld verdient. Genau solche Überlegungen stecken hinter dem Schlagwort der „Rekommunalisierung“, die inzwischen in vielen Städten und Gemeinden wieder betrieben wird.  Vor allem ist es ein Schritt zurück, weil die Kommunen Transparenz vermissen und ihre Bürger vor Schaden bewahren wollen. Sprich: Kommunen arbeiten kostengünstiger!

Auch der Rat hat wohl bis heute nicht wirklich begriffen, dass er sich selbst überflüssig macht, wenn nicht andere Wege eingeschlagen werden. Den Rat zu verkleinern, war nicht unbedingt die richtige Strategie, eine Totalprivatisierung der Stadt zu verhindern. Der Beschluss reflektiert aber zumindest die Einsicht, eigentlich nichts mehr zu sagen zu haben. Aber ist das vernünftig?

Der Bürgermeister von Oberhausen ging letztes Jahr zusammen mit Beschäftigten der Verwaltung, dem Personalrat, der Gewerkschaft Ver.di, dem Rat der Stadt und Bürgern von Oberhausen auf die Straße, auch wenn das in den Medien kaum stattfand.  Das ist in Herten ganz sicherlich auch möglich.

Begreifen wir, dass neue Überlegungen über einen anderen Weg eine neue Chance sein kann. Warum nicht im Jahr 2010 anfangen? Lange Wege beginnen immer mit einem ersten Schritt.

Veröffentlicht 02.01.2010 09:30 H.F.B. Autor: Hans-Heinrich Holland,
  • H.F.B. Arbeitspapier 01.2010: Neoliberale Verwaltungsorganisation in Herten „ .. mehr hier

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    Kommentar von:  
    Manfred Wleklik

    Die Bertelsmannstiftung hat sich auf den Fahnen geschrieben, sämtliche öffentlichen Bereiche zu entpolitisieren.

    Betroffen davon sind nicht nur die Kommunen, sondern neben den Ländern auch die Bundesrepublik insgesamt, ja sogar Osteuropa ist mit einbezogen. Bertelsmann hat das ja geschickt angestellt. Mit dem Fall der Mauer war die Gelegenheit günstig den gesamten öffentlichen Sektor marktwirtschaftlich neu zu organisieren.  Zunächst wurden mit ca. 5 Kommunen bundesweit das Projekt als Modell gestartet. Die Stadtdirektoren der Modellstädte wurden damit geködert, dass ihre Stadt jetzt als Konzern gesehen werden muss und sie jetzt als Vorstandsvorsitzender des Konzerns „Stadt“ fungieren. Dadurch erlangten die Stadtdirektoren eine pseudoqualitative Kompetenz, denen die Ratsmitglieder nichts entgegensetzen konnten. Viele der Beschäftigten der Modellstädte fanden die Umstrukturierung als Schwachsinn und als Beschäftigungstherapie, laute Kritik durfte aber nicht geäußert werden.  Die Bertelsmannstiftung ist mittlerweile mit ihren Projekten in allen wirtschaftspolitischen (ökologisch, ökonomisch und sozial) Entscheidungen federführend. Es ist zwar Anerkennungswert, dass der Bürgermeister von Oberhausen mit den Beschäftigten  u.a. auf die Straße gegangen ist. Ob sich andere Städte finden mit Oberhausen den Schritt der Umkehr zu gehen, scheint mir z.Zt. verfrüht. Vielleicht in 20 Jahren. 


     

    Frieren für Herrn Bolkestein

    Es ist der 4. Adventssamstag, der Tag an dem der Einzelhandel vor Weihnachten gewöhnlich den höchsten Umsatz des Jahres macht. Und es ist arg kalt, zweistellig unter Null.

    Ich komme von einer Fraktionssitzung. Es ist 17.30 Uhr in Herten Mitte. Meine erste Überraschung ist, dass der SB 27 nicht die gewohnte Busspur anfährt, sondern um die Businsel herumfährt und sich in Richtung Herten-Süd wieder einordnet. Irritiert stieg ich aus und begab mich zur Insel Richtung Herten-Nord. Innerlich hatte ich mich bereits darauf eingestellt, 30 Minuten warten zu müssen, bis der SB 27 in Richtung Marl kam.

    Ein älterer Herr kam auf mich zu und fragte, wo denn der Bus nach Herten-Nord bliebe. Er konnte nicht fassen, dass der 27er hier nicht angehalten hatte. Ich gestand ihm, dass ich genauso überrascht sei und in dem Bus bereits gesessen hatte. Also zogen wir nun gemeinsam zu den Abfahrtsanzeigen, der verstreuten Haltestellen. Der ältere Herr hatte noch einen Freund im Schlepptau, der mehr oder weniger willig die Informationstour mitmachte. Unsere Informationen: Der 243er fuhr erst wieder 18.15 Uhr, der 246er hatte seinen Einsatz bereits um 17.30 Uhr. (Den hätte ich auch nehmen können, er stand nämlich genau vor dem SB 27 – wenn ich nur darauf geachtet hätte!) Es blieb dabei, der nächste Bus war der SB 27 um 18.00 Uhr, also ging es zurück. Der Unwillen des Begleiters des Herren, der mich angesprochen hatte, wurde größer. Er bestand darauf, mit dem Taxi zu fahren. „Wir haben doch schon den Bus bezahlt!“ Trotz des Einwandes, bestiegen beide Herren dann doch lieber ein Taxi.

    Auf dem Bussteig tummelten sich viele Menschen, hüpften von einem Fuß auf den anderen, um die Kälte daran zu hindern, noch oben zu kriechen. Ein junger Mann neben mir, fragte schließlich, ob ich Beschäftigter der Vestischen sei. Ich verneinte und schaute an mir herunter, ob ich irgendetwas an hätte, was zu der Vermutung hätte führen können. Trotzdem schimpfte er wie ein Rohrspatz, was das denn für Verhältnisse seien. Man sollte in eine Großstadt ziehen und Herten den Rücken kehren, murmelte er dann vor sich hin. Ich mochte ihm, angesichts meiner eigenen kalten Füße, nicht widersprechen. Im völlig überfüllten SB 27 saß ich dann neben dem jungen Mann und wir unterhielten uns dann noch ganz nett.

    ***

    Die Frierenden auf den Bussteigen der Vestischen mögen beklagen, dass an einem verkaufsoffenen Samstag kurz vor Weihnachten, der normale Fahrplan der Samstage durchgezogen wird. Nur mag ich der Vestischen nicht allein den „Schwarzen Peter“ zuschieben. Die Frierenden sind eigentlich Opfer eines Herrn, den sie möglicherweise nicht einmal beim Namen kennen, nämlich von Frits Bolkestein. Bolkestein (ehemaliger EU-Kommissar für Handel) ist der Namensgeber einer EU-Richtlinie, die niemals durch irgendwelche Parlamente abgesegnet wurde, aber geltendes Recht setzt. Die Richtlinie ist verantwortlich dafür, dass das staatliche Daseinsvorsorgeprinzip außer Kraft gesetzt wurde.

    Der ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr) war einmal Bestandteil der Daseinsvorsorge. Er hatte die gesellschaftliche Mobilität zu garantieren: Jeder soll seinen Arbeitsplatz erreichen, jeder sollte teilhaben am gesellschaftlichen Leben und vor allem dahin kommen, wo es stattfindet. Bereits ab Anfang der 90er Jahre bereiteten sich die Betriebe darauf vor, „marktwirtschaftlich“ zu agieren. Öffentliche Betriebe sollten konkurrenzfähig gegenüber privaten Anbietern sein. Öffentliche Zuschüsse hatten zuvor auch den Betrieb in den Nachtstunden ermöglicht, trotz nur weniger Fahrgäste. Das war notwendig, um die staatliche Aufgabe der Daseinsfürsorge zu erfüllen. Mit dem Wegfall dieses Postulats war das eben nicht mehr der öffentliche Auftrag. Nun wurde immer mehr rein betriebswirtschaftlich gedacht. Linien wurden zusammengestrichen, um einen möglichst hohen Kostendeckungsgrad zu erreichen.

    Im Randgebiet des Ruhrgebietes waren die Konsequenzen eines solchen „neuen“ Denkens natürlich eher zu spüren als in den Ballungsgebieten selbst. Noch krasser wirkte sich dies natürlich in ländlichen Regionen aus, wo manche Ortschaften in der Woche nur ein oder zweimal am Tag „bedient“ werden. Man ist dort quasi auf den Individualverkehr (private PKWs) angewiesen. Der gleiche Irrsinn breitet sich im Augenblick in ländlichen Regionen bei der Gesundheitsversorgung aus. Auch dieser Bereich wird derzeit dem „Privatisierungswahn“ geopfert und dem Ausstieg aus der staatlichen Daseinsvorsorge.

    Das ist „Neoliberalismus“ pur – Menschen und ihre Bedürfnisse zählen nicht mehr. Und Frits Bolkestein und seine neoliberale EU-Dienstleistungsrichtlinie setzte die Absichten der globalen Wirtschaftseliten eigentlich (ohne demokratische Legitimierung) nur um. Zu finden waren sie schon im sog. GATS-Abkommen, oder noch früher im Kündigungsschreiben der sozial-liberalen Koalition von 1982. Das sog. „Lambsdorff-Papier“ war der Einstieg in den Paradigmenwechsel von der Wirtschaftstheorie (Keynes) zur Finanztheorie (Friedman) als wichtigem Element der Politik. Steuerpolitik macht man für Menschen, die arbeiten und Geld verdienen. Wirtschaftspolitik macht man auch für Menschen, die gerade arbeitslos sind. Es ist das Papier, in dem die Reichen den Armen den Krieg erklären. Vorsichtiger formuliert: Der Gesellschaftsvertrag, der von Jean Jaques Rousseau formuliert wurde –  einer der Voraussetzungen, dass der Kapitalismus überhaupt funktionieren konnte und  das Versprechen, der Teilhabe aller – wird außer Kraft gesetzt. 

    Die Spirale nach Unten wurde auch bei der Vestischen in Gang gesetzt. Insbesondere in den letzten Jahren wurden viele Zuschüsse (für Behinderte, Schüler usw.) weiter gekürzt. Die Fahrpreise kletterten, die Beschäftigten wurden schlechter bezahlt. Beschäftigte der Vestischen übten „Lohnverzicht“, etwa in der Größenordnung von über 2 Millionen €. Wie ging die Politik damit um? Landrat Welt, ehemaliger politischer Repräsentant des Kreises Recklinghausen und Aufsichtsratsvorsitzender der Vestischen freute sich öffentlich über den Verzicht. Er nahm damit seine betriebliche Funktion war. Nur dafür hatte ich ihn jedenfalls nicht gewählt – als Landrat hätte er deutlich machen müssen, dass der Region auf diese Art und Weise 2 Millionen € dringend benötigte Kaufkraft entgangen war. Aber dafür müsste man Betriebs- und Volkswirtschaft auseinander halten können. Für manche Politiker aber offensichtlich schon zu viel Spezialisierung!

    Wenn Sie das nächste Mal frierend auf einen Bus warten – schimpfen Sie nicht auf die Beschäftigten der Vestischen. Die sind genauso Opfer wie Sie. Schimpfen Sie auf Herrn Bolkestein oder andere Politiker, die Betriebs- und Volkswirtschaft nicht auseinander halten können oder einfach nur umsetzen, was wirtschaftliche Eliten von ihnen erwarten. So oder so, Sie sind solchen Menschen letztlich egal.

    Hans-Heinrich Holland, H.F.B.

    20. Dezember 2009

  • H.F.B. Arbeitspapier 01.2010: Neoliberale Verwaltungsorganisation in Herten „ .. mehr hier


  • Newsletter von www.pro-herten.de zum Thema Industriealtlasten

    Altlast(en) in Herten

    Laut Gesetz sind die „Zustandsstörer“ verpflichtet Altlasten zu beseitigen. „Zustandsstörer“ können die Verursacher der Umweltprobleme sein, aber auch die Eigentümer der Flächen, auf denen sich die Altlasten befinden. Eigentlich eine relativ klare Definition. Die Realität sieht häufig jedoch anders aus.

    Die Montanindustrie war in unserer Region einer der größten Produzenten von Altlasten. Und sie hat es immer wieder geschafft, die finanziellen Lasten für die Beseitigung ihrer Altlasten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Da werden Altlastenflächen einfach mal zu Landschaftsschutzgebieten erklärt, da werden Bergehalden auf Kosten der Steuerzahler begrünt und mit „Attraktionen“ versehen (RVR), Infrastruktur der Zechen- und Hafenbahn zu Radwanderwegen umgebaut und die nicht unerheblichen Instandsetzungskosten z.B. für Brücken mit übernommen usw. Die Altlasten auch auf dem Gelände von Schlägel& Eisen in Herten sind lange bekannt, dazu tagte in Herten in den 90er Jahren eine Arbeitsgruppe. Geschehen ist bis heute wenig. Eine Anfrage des H.F.B. im Rat hatte nun die Antwort zur Folge, dass noch dieses Jahr die Sanierung einer Altlast auf dem Gelände in Angriff genommen wird. Nach 15 und mehr Jahren eigentlich eine „atemberaubende“ Eile.

    Ganz dreist ist die Geschichte der Renaturierung der Emscher. Rechts und links der Emscher befinden sich Altlasten ohne Ende von verschiedenen Verursachern. Auf Hertener Gebiet gibt es eine Altlast südlich des Waldfriedhofes (gehört zu Herne). 1984 gab es eine heftige Diskussion um den cyanidhaltigen Gichtgasschlamm, der beim Bau einer Gleiskurve auf Herner Gebiet aus einer Gichtgasschlammhalde einfach ausgekoffert und an der Emscher auf Hertener Gebiet unrechtmäßig abgelagert wurde. In der Diskussion damals wurde deutlich, dass auch die Autobahn A 42 quer durch diese Altlast gebaut wurde und die Allgemeinheit – sprich der Steuerzahler – in Regress genommen wurde. In Herten-Süd sieht die Planung der Renaturierung der Emscher an der Stelle, wo nun dieser hochgiftige cyanidhaltige Gichtgasschlamm liegt, eine Fläche für den Überlauf vor, also als Überschwemmungsfläche. Das heißt, die Altlast, die derzeit mit einer Teerdecke, bzw. einer dünnen Schicht Muttererde überdeckend – versteckend versehen ist, muss da weg. Nur, wer bezahlt das?  Diese Frage stellte ich in einer Sitzung des ALUBA des Kreises Recklinghausen in der letzten Legislaturperiode anlässlich einer Begehung des Emscherklärwerkes in Bottrop. Die Frage konnte damals angeblich nicht beantwortet werden.

    Die Renaturierung der Emscher, die seit Jahren von der Emschergenossenschaft betrieben wird, beschert nun den Abwassergebührenzahlern höhere Kosten. Die Steigerungsrate von 4,2 % bei den Kosten der Verbandsumlage sind laut Verwaltung „im Wesentlichen durch die Renaturierungskosten der Emscher bedingt“.

    Die Altlastenfläche auf Hertener Gebiet würde heute da nicht mehr sein, wenn nicht der damalige Oberkreisdirektor Pezely darauf verzichtet hätte, die „unrechtmäßige“ Altlast beseitigen zu lassen.

    Nach 25 Jahren erinnern sich leider nur wenige an die Vorgänge. Wir haben aus unserem Archiv einige Dokumente zusammengestellt. Diese sind abrufbar unter: http://www.jidv.de/Pro-herten/Altlasten-1.pdf

    sowie zum Thema „Bermudadreieck Herten“ Süd unter:

    http://www.pro-herten.de/wirtschaft/industrie_herten-sued.htm .

    Die damalige, heftig kritisierte Entscheidung des OKD, beschert nun den Abwassergebührenzahlern höhere Gebühren. Das war abzusehen, dass wieder einmal die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird. Empörend, dass dieser ehemalige OKD noch vor einiger Zeit zum „Sparberater“ der Stadt Marl bestellt wurde! Sparen in wessen Interesse?

    Wir, das "Hertener Fraktions-Bündnis" (H.F.B.) bleibt an der Sache dran.

    Hans-Heinrich Holland

     

     

     

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