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Top1 in Sachen Schulden – aber auch Kunst in Herten, Abzocke der Bürger auch eine Kunst

Foto J.JürgensZur verwaltungsvorlage der Stadt [klick]


 

Antrag des H.F.B.

Hertener Fraktions Bündnis; Kurt-Schumacher-Str. 2 ; 45699 Herten

Herrn Bürgermeister Dr. U.Paetzel
Kurt-Schumacher-Straße 2
45699 Herten

Antrag gem § 14 GSchO der Stadt Herten.

Der Rat der Stadt Herten möge beschließen:

Die Stadt Herten wird beauftragt, für die Kunstobjekte „Burgenlandschaft von Landart-Künstler Nils-Udo,“ im Schlosspark Herten, eine Patenschaft ins Leben zu rufen und als Schirmherr zu begleiten.

Begründung:

Genannte Kunstobjekte rufen zweigeteiltes Echo in der Bevölkerung hervor. Online-Befragungen, ob die finanziellen Mittel, die für die Burgenlandschaft von Nils-Udo im Schlosswald investiert wurden, sinnvoller für Schulen und Kindergärten ausgegeben wären, überwiegen zu Recht? Um  Kunst verwirklichen zu können, benötigen Künstler Geld. Im Zeitalter der knappen Kassen, Wartungsstaus in Schulen etc. sollte ein Weg geschaffen werden, der Kunst ( und den Kunstliebhaber) gerecht zu werden. Dazu müssen nicht zwangsläufig öffentliche Mittel verwendet werden . Investoren, Förderer und Künstlerzirkel, die auch in der letzten Ausgabe „Herten Erleben“ vielfältig zu Wort gekommen sind, sollten sich beteiligen. Das Projekt Kunstpatenschaften soll dem Kunstanhänger ermöglicht , die jeweilige Zechenskulptur zu seinem ganz persönlichen „Patenkind“ zu erklären.

Mit einer Patenschaft wird die Pflege des Kunstobjektes und seines Umfeldes, die Restaurierung und nicht zuletzt der Erhalt der Skulptur dauerhaft gewährleistet. Andere Städte wie z.B. Münster machen es vor: Hier existiert das Projekt „Kunstpatenschaft“ seit 2006 mit solch einem Erfolg, dass sich die Bürger und Firmen bereits in Wartelisten eintragen lassen.

Der ungeschützte Standort im Schlosspark fernab musealer Schutzräume hinterlässt im Laufe der Zeit zwangsläufig Spuren an den Kunstobjekten, dessen Erhalt auf Dauer zu einem erheblichen Kostenfaktor führen wird. Die jährlichen Folgekosten sind mit 11.300 € kalkuliert und dürften bei realistischer Einschätzung durchaus auf Dauer höher liegen. Dieser Betrag fehlt dann für dringende Sanierungsmaßnahmen im Stadtgebiet. Da die Patenschaften unterteilt werden sollten in Pflege- und Restaurierungspatenschaften  können sich nicht nur Firmen als Sponsoren einer Skulptur annehmen sondern auch Privatpersonen z.B. durch Sachleistung. Zu erinnern sind auch die Patenschaften der Querungshilfen der Ewaldstraße als Beispiel.

Gez. Joachim Jürgens
Fraktionsvorsitzender


In der H.A. am 22.10.2020

Eins der Kunstobjekte

22.10.202004:10

Häufige Reparaturen

Teure und umstrittene Kunst in Herten: Wurde das „Burgenland“ jetzt auch noch Opfer von Vandalismus?

vonDanijela Budschun u. Daniel Maiß

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 schuf der international renommierte Land-Art-Künstler Nils-Udo in Herten eine bis heute umstrittene Kunst-Installation. Jetzt hat ein Passant etwas Ungeöhnliches entdeckt.

Update 21. Oktober: Das 2010 errichtete „Burgenland“ besteht aus 15 Hügeln im Schlosspark Herten und im angrenzenden Schlosswald. Auf acht dieser Hügel thronen rostige Mini-Zechen. Diese sind immer wieder auch ein Blickfang für Spaziergänger. Einer dieser Passanten schaute jetzt bei einem der Ensembles ganz genau hin und endtdeckte etwas Ungewöhnliches.

Ihm war aufgefallen, dass bei einer der Mini-Zechen der Förderturm fehlt und meldete dies der Redaktion der Hertener Allgemeinen Zeitung. Der Mann mutmaßte, dass jemand den Förderturm abgesägt haben könnte.

Stadt Herten hat schon einmal Strafanzeige gestellt

Die Stadt Herten ist für die Instandhaltung des Kunstwerks zuständig. Von dort heißt es, dass man bisher aus Personalmangel nicht dazu gekommen sei, den Fall zu prüfen. Vom Zentralen Betriebshof Herten gab es allerdings bereits den Hinweis, dass 2017 schon einmal ein Förderturm verschwunden sei.

Auf dem hinteren Hügel ist der Förderturm gut zu erkennen, der auf dem vorderen Hügel offensichtlich abhandengekommen ist.

© Daniel Maiß

Damals habe man auch Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das Verfahren wurde aber schließlich eingestellt. Und so müsse nun erst einmal überhaupt geklärt werden, ob es sich bei dem nun vermissten Förderturm um eben jenen aus 2017 handeln könnte. Somit würde dieser nun bereits seit Jahren fehlen.

Man werde laut Stadt den Sachverhalt so schnell wie möglich prüfen. Falls man zu dem Schluss käme, dass der Förderturm akut verschwunden ist, werde man erneut Strafanzeige stellen, heißt es abschließend.

Unsere bisherige Berichterstattung:

„Ruhr2010“ ist zehn Jahre her: Vom Kulturhauptstadtjahr blieb in Herten unter anderem eine bis heute umstrittene Kunst-Installation übrig. 

Diese besteht aus 15 Hügeln, die in Herten im Schlosspark und im  Schlosswald verteilt sind. Auf acht davon thronen rostige Mini-Zechen: Das „Burgenland“ erschuf der international renommierte Land-Art-Künstler Nils-Udo im Kulturhauptstadtjahr 2010.

Herten: Baukosten betrugen schon 192.000 Euro 

Es sollte eine Kunstachse vom barocken Schlosspark zum Landschaftspark Hoheward mit seiner Halde und der Zeche an ihrem Fuß bilden.

Doch vor allem bildete es Sorgenfalten in den Gesichtern von Kommunalpolitikern und Kämmerern. Allein die Baukosten betrugen 190.000 Euro – 152.000 Euro kamen von der Europäischen Union und dem Land NRW, den Rest bezahlte die Stadt Herten.

Herten: Grundsanierung kostete 100.000 Euro 

Damit war es aber nicht getan, denn grundlegende Mängel in der Konstruktion sowie wühlende Kaninchen, tobende Hunde und kletternde Kinder haben den Hügeln in der Vergangenheit ordentlich zugesetzt. 

2015 flossen weitere 100.000 Euro in eine Grundsanierung des „Burgenlandes“, wovon der Regionalverband Ruhr die Hälfte übernahm.

Herten: Instandhaltung kostet weitere 282.500 Euro

Die Instandhaltung über 25 Jahre hinweg – dazu hat sich die Stadt verpflichtet – wird voraussichtlich insgesamt 282.500 Euro kosten. 

Das „Burgenland“ ist so teuer, dass 2016 sogar der Bund der Steuerzahler darauf aufmerksam wurde und der Stadt Herten sowie den anderen Geldgebern „Verschwendung“ vorwarf.

Pro-Herten berichtet 2010

In allen Medien kursiert die Story mit dem Kunstprojekt „Burgenland“ aus dem Schwarzbuch des BdSt! (sh. auch den Beitrag in der Lokalzeit)
Tatsächlich kommt die Story nicht dort vor. Das Thema „Burgenland“ wurde auf Initiative von Pro-Herten dem BdSt empfohlen, die dann im September 2016 veröffentlichte (sh. weiter unten) Im Schwarzbuch wird in Bezug auf Herten der Fall „Prosoz“ thematisiert.

14.09.2016
Zu viel los auf Hertens Landschaftskunst?
15 begrünte Hügel von Rädern und Kaninchen gelöchert
Die Recherche im Hertener Schlosspark ist ernüchternd. Niemand scheint die Kunstwerke je bemerkt zu haben. Beschreibungen, Fotos helfen nicht. „Sowas haben wir hier nicht.“ Nach 20 Minuten Suche endlich der entscheidende Hinweis: „Gehen Sie links aus dem Park raus, immer an den Kuhwiesen entlang. Und halten Sie die Augen offen, sonst übersehen Sie die Maulwurfshügel!“
Burgenland heißt das Landschafts-Kunstprojekt, das aus 15 begrünten Hügeln besteht und sich entlang der Verbindungsachse Landschaftspark Hoheward bis zum Schloss Herten zieht. Auf acht Hügeln wurden Miniatur-Zechen aus schnell rostendem Kortenstahl installiert, sieben Hügel mit Rasen bepflanzt und acht mit Immergrün.
Man kann es sich denken: Die Freiluft-Kunst ist vielen Risiken ausgesetzt: Kaninchen graben Gänge, Hunde buddeln die Erde auf, Kinder klettern auf die Buckel, Teenies befahren sie mit ihren Mountainrädern. Hinzu kommen noch Wind und Wetter – und die Hügel und ihr Grün leiden.
Bereits vier Monate nach der Einweihung im Mai 2010 mussten erste Mängel beseitigt werden. 2015 folgte die Rundum-Erneuerung der sieben Grashügel: Auf Grundlage eines extern erstellten Sanierungskonzepts wurden die Hügel komplett demontiert und wieder neu aufgebaut. Die mit Immergrün bepflanzten Hügel im Wald waren weniger ramponiert und wurden nur stellenweise ausgebessert und nachgepflanzt.
Diese Maßnahmen kosteten insgesamt 28.914,79 Euro, allein das Sanierungskonzept eines Ingenieurbüros schlug mit zusätzlichen 5.440,76 Euro zu Buche. Gezahlt hat die Sanierung zur Hälfte der Regionalverband Ruhr (RVR) mit Mitteln aus dem Ökologieprogramm Emscher-Lippe und zur anderen Hälfte die Stadt Herten.
Künstler Nils-Udo zeigte sich überrascht, dass die aufwändigen Sanierungen an seinem Burgenland überhaupt notwendig wurden. In den Medien wird er so zitiert: „Mir war gar nicht klar, dass es solche Probleme geben würde.“
Man kann sich wundern, dass ein ausgewiesener Landschafts-Künstler den Einfluss von Wetter, freilebenden Tieren, aber auch Besuchern mit Kindern und Hunden bei seiner „open air Kunst“ unterschätzt. Und noch paradoxer, dass scheinbar wenige Hertener die Kunst als solche (er-) kennen, aber trotzdem so viele Leute und Tiere die Hügel besuchen, belasten und letztlich für die Zerstörung mitverantwortlich sein sollen.
Man darf zweifeln – und nachrechnen: 10.000 Euro bekam Nils-Udo für das Konzept und 184.239,15 Euro für die Umsetzung. 80 Prozent kamen damals aus dem Fördertopf im Rahmen des Ökologieprogramms Emscher-Lippe (ÖPEL) und 20 Prozent Eigenanteil musste die Stadt Herten leisten. Der Förderantrag für das Kunstprojekt wurde von der Kreisverwaltung Recklinghausen und der Bezirksregierung Münster geprüft und bewilligt.
Jährlich fallen außerdem Pflegearbeiten an allen 15 Hügeln an: Laubentsorgung, Müllentfernung, Wildkrautbeseitigung, Bewässerung, Ausbesserung und Nachpflanzungen sowie Mähen und Mähgutentsorgung bei den Rasenhügeln. Der Baubeschluss des Rates vom 16.02.2010 sah hier jährlich 11.300 Euro vor, kalkulierte also 56.500 Euro für die letzten fünf Jahre. 2016 fallen die nächsten 11.300 Euro an. Diese Pflege-Kosten wurden vom RVR im Rahmen der Pflege des Emscher Landschaftsparks mit 50 Prozent bezuschusst. Wann die nächsten Sanierungsmaßnahmen nötig werden, bleibt abzuwarten.
Kunst liegt wie immer im Auge des Betrachters. In diesem Fall hat aber auch der Steuerzahler ein Auge drauf. Immerhin hat das Burgenland bis heute fast 300.000 Euro verschlungen.

 

 

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2 Pings

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